
Ein ganzes Zimmer nur aus Schokolade
Ein ganz spezielles Highlight präsentiert die Halloren Schokoladenfabrik in ihrem Schokoladenmuseum am Unternehmensstammsitz in Halle (Saale): Ein Wohnzimmer, nahezu vollständig ausgestattet und gestaltet aus schokoladigen und süßen Utensilien - wie eine wahr gewordene Illusion aus dem Schlaraffenland."Mit dem Schokoladenzimmer wollen wir mit unseren eigenen Mitteln den Bogen zurückschlagen auf die Gründungszeit unseres Unternehmens", beschreibt Halloren - Geschäftsführer Klaus Lellé die vermutlich bisher einzigartige Darstellung eines Biedermeier-Salons, dessen Interieur nicht nur den verlockenden Duft von Schokolade und Marzipan verströmt, sondern tatsächlich weitgehend aus diesen Materialien besteht. "Dies ist seit Jahren mein Traum gewesen", räumt Lellé gerne ein.
Wenn die Besucher das Schokoladenzimmer betreten, finden sie einen rund 27 Quadratmeter großen Raum vor, dessen Wände vollständig aus Schokolade gearbeitet sind. Auf einem Grundanstrich aus Vollmilchkuvertüre sind bis zu einer Höhe von ca. 1,30 Meter drei übereinander gelagerte Kassetten-Ornamente angebracht, die durch ihr Wechselspiel aus Vollmilch- und Zartbitterkuvertüre ein dezentes Farbspiel ergeben. Die größten Platten besitzen ein Gewicht von 20 kg, die mittleren sind 12 kg schwer und selbst die kleinsten Platten sind aus 6 kg leckerer Schokolade gegossen worden.
Insgesamt 51 Schoko-Kassetten-Tafeln in drei verschiedenen Größen, jede rund 20 Millimeter dick, sind auf einem Holzuntergrund befestigt.
Die Decke ist ganz nach der Tradition der Biedermeier-Zeit mit Stuckelementen versehen. Diese bestehen bei Halloren natürlich nicht aus Gips, sondern aus Marzipan-Masse. Die Decke selbst ist völlig aus weißer Schokolade gearbeitet. Einzig der Fußboden ist mit kostbarem Nussbaum-Parkett ausgelegt.
Auch das Mobiliar besteht, soweit es die Statik zuließ, aus Schokolade. So zum Beispiel die Arm- und Rückenlehne eines Stuhls, Schrankelemente und die Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Vasen, Teller, Tassen, Löffel - eigentlich alles, was auch vor 200 Jahren in einer "guten Stube" nicht fehlen durfte. Ein Kamin, verschiedene Bücher, die Violine mit Notenständer, sowie ein offenes Tagebuch gehören ebenso zum schokoladigen Inventar. Der Vitrinenschrank und eine Kommode aus Birkenholz, das ovale Tischchen und ein antikes Sofa bieten dem Besucher ein harmonisches Ambiente, das die Halloren Gründerzeit wieder lebendig werden lässt.
Rund 1400 Kilogramm Kuvertüre und 300 Kilogramm Marzipan sind in die Schmuckstücke des Halloren Schokoladenzimmers, "eingeflossen" - teilweise auch gespritzt, gestrichen oder gespachtelt. Unter Anwendung der verschiedensten Verarbeitungstechniken schuf Halloren Konditorin Claudia Heimann mit den Ausstellungsstücken wahrhaft meisterliche Kreationen, wie zum Beispiel die Porträtbilder der Wanddekoration. Sie sind, bis auf die Bilderrahmen, in der Anmutung von historischen Scherenschnitten ebenfalls aus Schokolade gearbeitet. Eines zeigt den Komponisten Georg Friedrich Händel, den 1685 geborenen, berühmtesten Sohn der Saale-Stadt Halle. Dieser ist übrigens auch als große Büste auf dem wundervollen Kamin aus Schokolade zu bewundern.
Die Konditorin musste nicht nur alle Fachkenntnisse ihrer Handwerksausbildung aktivieren, sondern sich auch als Erfinderin und Entwicklerin ins Zeug legen. So war die Verarbeitung von Schokolade kopfüber an der Decke zum Beispiel Neuland, ebenso die Technik, die Schokoladenkassetten an den Wänden miteinander zu verbinden.
Die Besucher dieses Prunkstücks im Halloren Schokoladenmuseum müssen übrigens keine Gefährdung der süßen Art befürchten oder den Schirm aufspannen, wenn sie das Schokoladenzimmer bewundern. "Alle unsere Räume sind klimatisiert", versichert Claudia Heimann. Aber Naschen an den Ausstellungsstücken ist natürlich verboten: Dafür gibt es beim Besuch des Halloren Fabrikverkaufs Naschereien zur "Genüge."

